Kulturinstitut der Wissenschaftsstadt Darmstadt

ZEITSTRÖME
TAGE FÜR AKTUELLE MUSIK

14.-25. Februar 2022 - 9 Konzerte



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DONNERSTAG, 17. FEBRUAR 2022, 19:00 UHR
Zu zweit - Sun-Young Nam und Jagdish Mistry

Präsenzkonzert!
Pandemiebedingt gilt bei allen Konzerten die Regel: 2G+

Link zum zusätzlichen Livestream:
https://youtu.be/YXU2fXRVlbI

Programm

Nikos Skalkottas (1904-1949) Petite Suite No. 2
for violin and piano (1946)
I. Poco lento / Moderato mosso
II. Andante
III. Allegro vivace

Karlheinz Stockhausen (1928-2007)
Klavierstück XII (1983)

EXAMEN vom DONNERSTAG aus LICHT als Klaviersolo

– Pause –

Peter Ablinger (*1959) Voices and Piano
für Klavier und Zuspiel (seit 1998)
-Arnold Schönberg
-Morton Feldman
-Humberto Maturana
-Hanna Schygulla

George Benjamin (*1960)
Sonata for violin and piano (1977)

Sun-Young Nam – Klavier
Jagdish Mistry – Violine


Von Stimmen und Bezügen

In jedem Programm beziehen sich die Stücke aufeinander, gehen Korrespondenzen ein, verweisen auf etwas kurz: Eine überzeugende Dramaturgie schafft gedankliche Beziehungen zu einem klanglichen Konzerterlebnis. In diesem Programm gibt es einige Linien zu verfolgen und es gibt Materialfragen die in Beziehung stehen.
Den Namen
Nikos Skalkottas (1904-1949) findet man hierzulande selten in einem Programmheft erwähnt. Ein Umstand, den es zu ändern gilt. Für Insider gilt der 1904 in Griechenland geborene Komponist als der „große“ Unentdeckte der klassischen Moderne. Aus einer Musikerfamilie stammend, lernte er Violine. Seine außergewöhnliche Begabung brachte ihn an das Athener Konservatorium und zu einem ausgezeichneten Abschluss. Das damit verbundene Stipendium nutzte er, um nach Berlin zu gehen, um dort seine Studien fortzusetzen. Hier entwickelte sich auch der Wunsch, sich mehr dem Komponieren zu widmen. So nahm er Unterricht bei Kurt Weill und Philipp Jarnach und wurde 1927 in die Meisterklasse von Arnold Schönberg aufgenommen. Diese Begegnungen waren für den jungen Griechen von entscheidender Bedeutung. Nach Griechenland zurückgekehrt, lebte er bis zu seinem frühen Tode - er wurde nur 45 Jahre alt - in einer äußerst prekären finanziellen Lage. Er komponierte aber neben seinem Orchesterdienst als Geiger weiter, ohne dass sein Werk zur Kenntnis genommen wurde.
Die
Petite Suite No. 2 entstand in seinem Todesjahr. Seinen Lehrer Arnold Schönberg wird im zweiten Teil des Abends zu hören sein.

Ambitioniert nennen es die einen, gigantisch die anderen: Die Rede ist vom Opernprojekt
LICHT von Karlheinz Stockhausen (1928-2007). Die einzelnen Opern werden mit den Wochennamen bezeichnet und die dritte Szene aus Donnerstag aus Licht (1979) korrespondiert mit dem heute gespielten Klavierstück XII.
In der Oper wird sein Protagonist Michael einer dreiteiligen Aufnahmeprüfung unterzogen. Die erste Prüfung wird von einem Tenor, die zweite von einem Trompeter und die dritten von einem Tänzer (mit Bassetthorn) dargestellt. Die gesamte Szene wird vom Klavier begleitet.
Wie immer bei Stockhausen liegen diesen Kompositionen bestimmte Akkorde und Skalen zu Grunde. Sie werden von ihm als Formeln geführt und bestimmen wesentlich die Struktur der Stücke. Das Ausgangsmaterial ist der Ton E aus Michaels Donnerstagsformel. Dieses erscheint in drei rhythmischen Teilen: als punktiertes Sechzehntel, als Zweiunddreißigstel und als Achtelnote. Dieser Rhythmus beherrscht die Dauern der drei „Prüfungsszenen“ und wird auch im Klavierstück durch die Überlagerung von drei komplexen polyphonen Melodien aufgegriffen.
Stockhausen adaptierte 1983 diese Szene und erarbeitete daraus ein Klavierstück. Das gesamte Material der einzelnen In-strumente muss nun vom Klavierspieler übernommen werden. Entstanden ist eine virtuose und im wahrsten Sinne des Wortes komplexe Klaviertextur. Sie verlangt vom Pianisten neben Klaviertönen auch raumgreifende Glissandi, Innenraumaktionen im Flügel sowie gesummte, gepfiffene und gesprochene Passagen.

War bei der vorangegangenen Komposition die Stimme Teil der pianistischen Performance, haben wir es bei
Peter Ablingers (geb. 1959) Voices and Piano mit einer Stimme zu tun, die vom Zuspielband kommt. Die Stücke entstammen einem Lieder-Zyklus, bei dem allerdings nicht gesungenen wird. Die Stimmen sind alle gesprochen, stammen aus Reden, Interviews oder Lesungen. Ablinger beschreibt im Vorwort dieses „work-in-progress- Projektes“ das Verhältnis von Sprache und Musik so: „Das Verhältnis der beiden ist eher das eines Vergleichs. [...] Man könnte auch sagen: Wirklichkeit und Wahrnehmung. Wirklichkeit (Sprache) ist kontinuierlich, Wahrnehmung (Musik) ist ein Raster der an das erstere heranzukommen versucht. Tatsächlich ist der Klavierpart die zeitliche und spektrale Rasterung der jeweiligen Stimme – vergleichbar einer grob gerasterten Fotografie. Der Klavierpart ist die Analyse der Stimme: Die Musik analysiert die Wirklichkeit.“
Als erstes ist der Lehrer von Skalkottas zu hören: Arnold Schönberg. Im zweiten Stück kommt der amerikanische Komponist Morton Feldman zu „Wort“. Aufgenommen wurde die Textpassage bei einem Besuch der Darmstädter Ferienkurse. Der Neurobiologe und Philosoph Humberto Maturana zählt zu den Begründern des Konstruktivismus. Eine philosophische Richtung, die sich u.a. intensiv mit Fragen der objektiven Realität beschäftigt hat. Hanna Schygulla zählt zu den beeindrucktesten deutschen Schauspielerinnen die zu Beginn ihrer Karriere untrennbar mit dem filmischen Werk von Rainer Werner Fassbinder verbunden ist. Danach folgte eine internationale Karriere aber sie ist auch als Autorin, Sängerin und nicht zuletzt auch als politische Aktivisten nach wie vor präsent.

Der englische Komponist, Pianist und Dirigent
Sir George Benjamin (geb. 1960) studierte genau wie Karlheinz Stockhausen zuvor, bei Olivier Messiaen am Pariser Konservatorium.
Er konnte sich der besonderen Aufmerksamkeit seines Lehrers erfreuen und wechselte nach dem Abschluss an das Londoner Kings College zu Alexander Goehr. Dessen Vater war ein wegweisender Dirigent der Avantgarde und hat sich intensiv für die Werke von Schönberg und Messiaen eingesetzt. Die heute gespielte
Sonata for Violin and Piano schrieb er als 17- jähriger während seiner letzten Schuljahre in London. Dieses dreisätzige Werk ist vor allem eine Sonate für Violine und Klavier und keine Sonate für Violine mit Klavierbegleitung. Beide Instrumente agieren kompositorisch als gleichberechtigte Partner.
Benjamin hat ein breit angelegtes Oeuvre geschaffen. Es reicht von Kammermusik über Orchesterwerke bis hin zu Tanz- und Opernproduktionen. Als Kompositionslehrer lebt und arbeitet er in London. Seine künstlerische Arbeit als Dirigent führt ihn immer wieder auch nach Deutschland. So ist er häufiger Gast beim Ensemble Modern und arbeitet eng mit dem Geiger des heutigen Abends Jagdish Mistry zusammen.






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